"Männer, traut euch!"

Partnervermittlerin Christine Stegmann erklärt, wie unterschiedlich Männer und Frauen mit dem Thema Dating umgehen




Wagen Frauen eher den Schritt zu einer Partnervermittlung?

Christine Stegmann: In der Regel ja. Männer übernehmen immer noch gerne die klassische Jagdrolle. In dem Moment, da ich als Partnervermittlerin dazukomme, geht die Notwendigkeit des Jagdinstinkts verloren. Zweitens ist der Mann noch sehr konservativ und altklassisch geprägt und hängt in der Vorstellung, dass er auf „klassischem Weg“ eine Partnerin findet. Auch ist es für ihn mehr ein Zeichen des Versagens, er schafft es nicht alleine. 

Zieht sich dieses Denken bei den Männern durch alle Generationen?

In der Altersklasse 45 bis 65 vermehrt. Diese Herren haben eine andere Herangehensweise und gehören zur Generation, die ohne große Technik und Dating-Apps aufgewachsen ist. Oft haben sie gerade eine Scheidung hinter sich und leben sich danach gerne aus. Ein Mann lebt nach einer Scheidung anders als eine Frau. 

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Mehr Akquise machen zu müssen, um auch für diese Altersklasse Partnervermittlung interessanter zu machen. Ist doch schade, es suchen so viele tolle Frauen in dieser Altersklasse einen Mann. 

Und ab Mitte 60 sieht die Situation wieder anders aus?

Ja, häufig. Ein älterer Herr will nicht mehr jagen und ist über die Auslebephase hinweg. 

Woher kommen diese Unsicherheiten? 

Die Männer wissen teilweise gar nicht mehr, wie man flirtet. Und sie wissen auch nicht, welche Dating-Optionen sie haben, dass es Partnervermittlungen gibt, zum Beispiel. Viele lehnen es ab, über das Internet jemanden kennenzulernen. 

Sind Frauen besser informiert?


Ja, was vor allem daran liegt, dass Männer deutlich bequemer als Frauen sind und sich lieber in ihrer Komfortzone bewegen. 

Wie sieht das bei jungen Männern aus? 

Ich beobachte, dass die junge Generation Mann Onlinedating & Co. kennt und dadurch weniger Berührungsängste hat. Die Generation Internetzeitalter hat ganz andere Vorstellungen von der Partnersuche. Zwar ist die Nutzung von Onlineportalen rückläufig, wohingegen Apps im Trend liegen. Aber auch da merkt man langsam einen Rückgang. Die Partnervermittlung hingegen hält sich. Mal mehr, mal weniger. 

 

Interview: Maria Romanska

Foto: Mila Pairan Photography