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Auf geht's beim Schichtl

Bis es wieder so weit ist, verkürzt Winfried Frey mit seiner neuen Oktoberfest-Komödie die Wartezeit auf das größte Volksfest der Welt. Text und Interview © Stella Meyer. Bilder © Siegfried Bruckbauer




Er ist Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Coach. Ganz nebenbei hat er vor einigen Jahren die Kreativfirma „Freydenker“ gegründet, bei welcher er seine zahlreichen Ideen anbietet. Im September wird nun sein neustes Theaterstück uraufgeführt: „Auf geht’s beim Schichtl“ ist eine „Musikalische Komödie vor historischem Hintergrund“. Was das heißt und worum es dabei geht, lesen Sie im Interview mit Winfried Frey:

Herr Frey, wie sind Sie denn zur Schauspielerei gekommen?

Winfried Frey: Das ging bei mir sehr früh los. Ich stand mit 11 Jahren das erste Mal zusammen mit einem Freund auf der Bühne. Als „Brucker Buam“ haben wir uns einen Namen gemacht und sind viel im ganzen Landkreis aufgetreten. Mit vierzehn haben wir im Münchner Platzl bei einem Nachwuchswettbewerb mitgemacht und sind unter die ersten 10 gekommen. Das war ein riesen Erfolg für uns. Nach der mittleren Reife habe ich in München am Zinner-Studio eine Schauspielausbildung angefangen und habe nebenbei noch im Platzl geschauspielert – was eigentlich verboten war. In den nächsten zwölf Jahren hat es mich an verschiedene Theater geführt, wo ich immer festangestellt war. Irgendwann hab ich mich dann als freier Schauspieler selbstständig gemacht.

 

Was hat Sie dann zum Film gebracht?

Winfried Frey: Zum Film kam ich später, etwa Mitte der Neunziger. Ich hatte damals riesiges Glück. Ein Regisseur hat angerufen und mich zu einem Casting in sein Büro – er war Rechtsanwalt – eingeladen. Noch am gleichen Tag habe ich die Zusage für die Hauptrolle in seinem Film „Alle haben geschwiegen“ bekommen. Dort habe ich einen Mörder und Vergewaltiger gespielt, was für mich einen totalen Imagewechsel bedeutete. Aber ich habe gute Kritiken bekommen und die Leute haben mir die Rolle abgekauft, was mir sehr wichtig ist.

 

Was macht Ihnen denn mehr Spaß: auf der Bühne oder vor der Kamera zu spielen?

Winfried Frey: Beides zu gleichen Teilen. Das Theater ist das mit der direkten Resonanz vom Publikum, wo man sofort seinen Lohn erntet. Beim Fernsehen hat man oft fast ein Jahr Wartezeit bis die Serie oder der Film ausgestrahlt wird und man sein Feedback bekommt. Das Tolle am Drehen ist, dass es sehr authentisch ist. Damit einem die Leute glauben, darf man vor der Kamera nicht lügen. Wenn es gespielt ist, sieht man das. Dafür hat man beim Theater die Freiheit, übertreiben zu dürfen, sodass auch der letzte im Saal alles mitkriegt. Man darf eine Kunstfigur kreieren, die es vielleicht im wirklichen Leben so gar nicht geben kann.

 

Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur und Autor. Wie kam es dazu? War das geplant?

Winfried Frey: Geplant war es nicht. Der Mut zur Vielseitigkeit wurde damals im Platzl geprägt. Dort wurde nicht nur gespielt, sondern auch getanzt, gesungen, moderiert und musiziert. Jeder hat alles mal machen müssen. Das war wirklich eine super Schule.
Geschrieben hab ich schon in der Schule gern. 1999/2000 habe ich dann ein Literaturstudium gemacht und knapp zehn Jahre später noch eine Ausbildung zum Drehbuchautor. Die habe ich bei der Akademie für Film-und Fernsehdramaturgie „TopTalente“ absolviert. Damals war ich der einzige Mann in dem Jahrgang (lacht
).

Woher kam die Idee zu ihrem neusten Stück „Auf geht’s beim Schichtl?“

Winfried Frey: Die Idee trage ich schon sehr lange mit mir herum. Im Stadtmuseum gab es zum 200 jährigen Jubiläum der Wiesn eine Sonderausstellung. Dort habe ich ganz oft gelesen, dass das 100. Jubiläum 1910 das schönste und legendärste Oktoberfest schlechthin war. Ich habe dann viel darüber gelesen und mich mit Leuten unterhalten, die schon seit Jahrzehnten mit dem Oktoberfest befasst sind: der ehemalige Wiesnstadtrat, der Wiesnehrenrat und so weiter. Natürlich habe ich mich auch mit den Schaustellern getroffen und mir deren Wohnwägen und alles zeigen lassen. So ist das Ganze entstanden. Bis es dann fertig war, hat es sieben Jahre gedauert.

 

Gibt es einen persönlichen Bezug zum Schichtl?

Winfried Frey: Nein. Das Lustige ist, dass Manfred Schauer (heutiger Inhaber des Schichtl, Anm.d.Red.) und ich uns erst kennengelernt haben, als das Stück schon so gut wie fertig war. Der hat schon geschluckt, als er erfuhr, dass ich das Stück gerne „Auf geht’s beim Schichtl“ taufen würde, das ist ja sein eingetragener Markenname. Aber das Schöne war, dass wir sofort auf einer Wellenlänge waren und uns mochten. Er hat uns die Genehmigung zur Nutzung seines Namens gegeben und unterstützt uns während der Produktion. Wir haben Artefake von ihm da, die wir teilweise auch verkaufen und man kann die Eintrittskarte vom „Auf geht’s beim Schichtl“ auf der Wiesn schon bei uns für 30% weniger kaufen (lacht).

 

Worum geht es in dem Stück?

Winfried Frey: Wir befinden uns hinter dem Zelt vom Schichtl im Schaustelleraufenthaltsbereich, wo die Wohnwägen stehen. Das Stück spielt eine Woche vor Beginn der großen Jubiläumswiesn 1910. Plötzlich kommt eine neue Schaustellerin, die Inhaberin des Teufelsrads, und möchte auch auf das Oktoberfest. Sie will den besten Platz, um sich zu präsentieren, und das ist natürlich der vom Schichtl. Der sieht allerdings nicht ein, warum er seinen Platz aufgeben sollte. So entsteht ein Konkurrenzkampf, bei dem beide Seiten mit harten Bandagen kämpfen. Das geht sogar so weit, dass der beste Freund vom Schichtl – das ist wirklich eine ganz enge Männerfreundschaft – sich fast dazu hinreißen lässt, seinen besten Freund zu verraten. Natürlich mischen auch noch Randfiguren mit, die versuchen, das Beste für sich rauszuholen – unter anderem meine Figur: der Wachtl-Heinze. Wie es letztlich ausgeht, will ich aber noch nicht verraten.

Das Stück ist eine musikalische Komödie. Wie muss man sich das vorstellen?

Winfried Frey: Es gibt eine Musikerin und einen Musiker, wobei die Musikerin unsere Hauptbegleiterin ist. Die Lieder sind coupletartig und spiegeln in der jeweiligen Situation die Emotion oder Lebenseinstellung der Person, die das Lied singt, wider. Die Texte habe alle ich geschrieben. Christian Ludwig Mayer hat die Musik dazu komponiert. Es ist ihm gelungen, eine passende Musik zum Oktoberfest 1910 zu finden, die auch in die Schaustellerwelt passt.

 

Singen die Schauspieler alle selber?

Winfried Frey: Ja, alle singen selber, live und unverstärkt. Wir mussten sehr darauf achten, dass die Musik nicht zu laut wird. So ein Akkordeon ist einfach ein mächtiges Instrument, da müssen wir die Musikerin ab und zu ein bisschen bremsen (lächelt).

 

Sie haben das Stück geschrieben, Regie geführt und spielen auch selber. Wie war das?

Winfried Frey: Das war nicht das erste Mal. In diesem Fall habe ich aber bewusst eher die Buffo-Rolle gewählt, weil mir das Stück sehr wichtig ist. Man hat einfach mehr Draufblick, wenn man als Regisseur unten sitzt und zuschaut. Wobei ich natürlich auch eine Regieassistentin habe, die mich, wenn ich auf der Bühne stehe, beobachtet.
Aber es ist eher eine Abfolge der Positionen: am Anfang steht der Autor, der vom Regisseur abgelöst wird, sobald die Proben losgehen. Bis etwa zwei Tage vor der Premiere bin ich Regisseur, aber spätestens ab der ersten Vorstellung klinke ich mich ganz ins das Stück und das Ensemble ein.

 

Gehen Sie denn auch ab und zu auf die Wiesn?

Winfried Frey: Ich bin ein großer Wiesngänger. Seit letztem Jahr bin ich sogar beruflich auf der Oidn Wiesn tätig. Da habe ich täglich im Velodrom – der Radlarena – moderiert, was ich heuer wieder machen werde. Diesmal aber nur an den Wochenenden, weil sich das sonst mit den Drehzeiten von „München 7“ überschneidet. Mit dem Ensemble gehen wir auch einmal auf die Wiesn, das haben wir schon beschlossen (lacht).

 

Die Premiere ist am 09.09.2015 in München. Alle weiteren Infos zur neuen Wiesnkomödie von und mit Winfried Frey unter www.aufgehtsbeimschichtl.de.