„Der Wurm ist für die Fische und nicht für den Angler!"

Kult-DJ Woiferl Kraus mit seiner Frau und Managerin Gisela im KIR-Interview Interview © Daniela Schwan Fotos © Klaus Weißenberg




Für viele Menschen ist er der DJ. Für die meisten ist er jedoch sehr viel mehr: Gute-Laune-Zauberer, Beziehungsretter, Party-Highlight. Kurz, Woiferl ist Kult. Wo er auftaucht, gibt’s Mega-Stimmung, wird getanzt, bis die Sohlen qualmen. Er selbst winkt bescheiden ab, „ich mache nur die Musik“. Das aber ist das Herzstück jedes Auftritts. Und immer im Doppelpack mit seiner Frau Gisela, die sich nicht nur um Büro und Management kümmert, sondern auch darum, dass die Veranstaltung gut läuft. Für KIR nimmt sich das stets ausgebuchte Musik-Paar extra Zeit und verrät u.a. sein Erfolgsgeheimnis.

 

 

Hallo Woiferl, was ist das Besondere Deiner Musik?

DJ Woiferl: Das Besondere ist, dass es nichts Besonderes gibt. Ich sage immer, „Der Wurm ist für die Fische, nicht für den Angler.“ Also, die Musik ist logischerweise für die Gäste und nicht für mich. Ich schau mir die Leute an, und ich kann auch bei einer Veranstaltung niemals vorher sagen, was ich mache. Während eines Liedes überlege ich mir, was als nächstes kommt. Es passiert mir manchmal, dass ich zehn Sekunden bevor das Lied aufhört, immer noch nicht weiß, was ich auflege. Das funktioniert aber schon ganz, ganz lange.

Gisela: Der Woiferl fügt halt jedes Lied individuell zusammen und spielt nie eine Playlist durch. Ich bin echt Zeugin (lacht).

DJ Woiferl: Ich bin ja nicht normal, das weiß ja jeder in München. Ich frage die Leute niemals nach ihren Wunschliedern, dann könnte ich ihnen eine CD brennen und mitgeben. Das wär’ viel billiger, und ich bräuchte nicht selber aufzulegen.

 

Also, die Mischung macht’s, wie es so schön heißt.

DJ Woiferl: Die Leute lachen sich immer kaputt, auch die Kollegen, wenn wir die Events gemeinsam machen. Manchmal fragen sie: „Was mache ich als nächstes?“, und ich sag dann: „Spielen wir doch einfach Wiener Walzer“, wohlgemerkt, wenn wir House und Electro machen. Und sie meinen, „Du kannst doch jetzt keinen Wiener Walzer spielen.“ Doch, sag ich, und der Gag ist, genau dann tanzt alles. Genauso, wenn ich „Das knallrote Gummiboot“ auflege.

 

Beim Christopher Street Day bist Du ja auch dabei. Geht’s da genauso ab?

DJ Woiferl: Das war überhaupt eins meiner schönsten Events in meinem Leben. Die meisten spielen dann immer Flowerpower, und ich hab’ gesagt: „Machen wir einfach Hüttengaudi.“ Wir haben den ganzen Lkw mit Folien und Planen beklebt wie eine alte Hütte, und das war sensationell. Natürlich hab’ ich trotzdem House und Electro gespielt, das ist dort einfach ein Muss. Aber so jedes 8. Lied hab’ einen totalen bayerischen Blödsinn reingespielt, wie „Servus, griaß di und hallo“. Und es hat super funktioniert...

 

Seit wann bist Du dabei?

DJ Woiferl: Also, beim CSD seit zwei Jahren. Aber Musik habe ich schon immer gemacht. Das Komplett-Paket bieten wir seit 21 Jahren an. Gisela und ich sind immer zusammen, bei jedem Gig, ich bin niemals alleine unterwegs – und wir finden das spaßig. Das macht auch unsere ganze Beziehung aus. Andere Leute müssen in die Arbeit gehen, und der Mann ist zu Hause, oder die Frau ist zu Hause, das gibt immer Stress, das wollen wir gar nicht. Begonnen hat alles nach unserer Hochzeit vor 21 Jahren.

Wer hatte die zündende Idee?

DJ Woiferl: Als unsere Hochzeits-Band mehr Pausen gemacht als zu spielen, und das für 3.500 Mark, haben wir uns am Tag danach angeschaut und gesagt:„Das können wir besser.“ Seit damals kann man uns für Hochzeiten, Partys und andere Musik-Events engagieren. Dann kam irgendwann Facebook, und seitdem sind wir gut gebucht.

Da habt Ihr sicher massig Freunde?

DJ Woifer: Auf Facebook haben wir nicht viele. Ich glaube, 1.400.

Gisela: 1.900. Auf unserem Woiferl-Kraus-Profil. Und wir haben natürlich auch eine Fanseite, aber die existiert eigentlich erst seit ungefähr einem Jahr, weil der Woiferl sich lang dagegen gesträubt hat.

DJ Woiferl: Ich wollte das nicht. Ich bin der DJ zum Anfassen. Ich finde die Freundesammler schlimm, die dann 5.000 Freunde haben, die sie gar nicht kennen. Das Wort „Freund“ bedeutet für mich viel. Ich will die Leute lieber sehen. Am Tag krieg ich zwischen 3 und 15 Freundschaftsanfragen, und Gisela schreibt jedem dann: „Schön, dass Du DJ Woiferl gefunden hast. Wo hast Du ihn denn kennengelernt? Dann kommt als Antwort: „Ich hab’ ihn auf der Hochzeit gesehen.“ Oder viele schreiben „Ich kenne ihn aus Ibiza vom Amnesia.“ Ich war in meinem Leben noch nicht im Amnesia. Gisela schreibt dann zurück: „Das wäre aber schön, wenn wir uns kennenlernen. Bis dahin eine schöne Zeit.“

 

Du magst lieber persönliche Kontakte?

DJ Woiferl: Ja. Wenn wir irgendwo durch Mallorca rennen, und die Leute mich ansprechen, „ah DJ Woiferl, hallo.“ Das macht Mega-Spaß. Mittlerweile arbeiten wir auch mit Sponsoren zusammen, ob Gin & Vodka, Jaguar in Rosenheim oder Sweet Deluxe, der größte Modeschmuckhersteller Europas. Mit dem Schmuck machen wir z.B. Gewinnspiele auf Facebook. Wir haben die Fabrik in Schwabing besucht, Gisela geht da rein und hat nur ein Wort gesagt: „Paradies.“ Ein riesiger Laden, und alles Glitzer, Glitzer, Glitzer. Jetzt veranstaltet Gisela laufend Verlosungen auf Facebook. Sweet Deluxe ist ein absolutes Highlight.

Gisela: Treue Fans werden bei uns belohnt.

Apropos Treue. Ihr seid ja schon so lange zusammen, wie habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt?

DJ Woiferl: Ich versuche, es wirklich kurz zu erzählen. Ich bin das dritte Mal verheiratet, habe eine 16jährige Tochter alleine aufgezogen, weil ihre Mama nicht wollte. Und wir waren vor 22 Jahren zu einer Privatparty im Arabellapark eingeladen.

Gisela: am 31.12.1992

DJ Woiferl: Ah, genau, Silvester. Ursprünglich wollten wir bei meinem Bruder bleiben, der sich mit seiner Frau verkracht hatte. Doch sie hatten sich schnell wieder versöhnt, und meine Tochter drängelte und wollte noch unbedingt zu dieser Party. Wir hatten uns ohnehin schick angezogen, meine Tochter im schwarzen Samtkleid, ich im Frack. Als wir dort ankamen, dachte ich nur, „wow, ziemlich langweilig hier“. Da kam mir ein wunderhübsches Mädchen entgegen, blond, tolle Klamotten, schöne Stiefel, Hotpants, richtig cool, und sagt zur mir: „Kommen jetzt die Pinguine?“ Ich dachte nur, was für eine blöde Bedienung und orderte was zu trinken. Als alleinstehender Mann mit 16jähriger Tochter und mit vernünftigem Job lernst Du in München jede Bardame und jede Friseurin kennen ...

Gisela: Ich war weder Bardame noch Friseurin!

DJ Woiferl: Trotzdemkonnte ich gar nicht so schnell schauen, da hat sie meiner Tochter und mir was zu trinken organisiert. Und ich dachte, eigentlich ist sie die hübscheste Frau des Abends, red’ doch mal mit ihr. Wir haben zusammen getanzt, uns unterhalten, total schön. Und dann sagte Gisela: „Du bringst mein ganzes Gefühlsleben durcheinander.“ Sie hatte damals eine Beziehung und wollte auch nicht mit uns weggehen, weil sie fürchtete, das könnten ihre Freunde mitbekommen. Aber es war ihnen egal. Wir gingen also noch zusammen mit meiner Tochter raus in die Silvesternacht, ja, und seitdem sind wir zusammen.

 

Wie romantisch.

DJ Woiferl: Wir arbeiten zusammen, sind zusammen unterwegs, das macht soviel Spaß. Wenn die Leute mich sehen, fragen sie nicht, wie geht’s, sondern: Wo ist die Gisela?

Gisela: Ich glaube auch, das Geheimnis unserer tollen Beziehung ist, dass wir alles gemeinsam machen.

DJ Woiferl: Alleine wäre ich einfach nur ein älterer Herr von 57, der Musik macht.

Gisela: Bei uns macht es das Gesamtpaket aus, definitiv.

 

Euer eigenes Glück spüren bestimmt auch die vielen Hochzeitspaare...

DJ Woiferl: Alle unsere Paare sind jedenfalls noch verheiratet.

Gisela: ... und elf Babys kamen inzwischen zur Welt, einmal sogar Zwillinge. Wir haben zu allen Paaren noch super Kontakt.

DJ Woiferl: Für die Feier schnüren wir immer ein individuelles Paket.

Gisela: Das Rundum-Sorglos-Paket.

DJ Woiferl: Ja. Wir spielen nicht nur die Musik, sondern Gisela schaut, dass das Brautpaar immer was zu trinken hat und leere Teller weggeräumt werden.

Gisela: Wenn man unsere Gästebucheinträge durchliest, da kriegst echt manchmal Gänsehaut, weil das so goldig geschrieben ist.

 

www.djwoiferl.de