Erster Fall für Miroslav Nemec

TV-Komissar präsentiert seinen ersten Krimi Fotos&Text© Stephanie Fischer




Als TV-Kommissar werden Ivo Batic seit 25 Jahren die Mörder ins Drehbuch geschrieben, bei seinem Krimi-Debüt kann Miroslav Nemec die Toten da platzieren, wo er möchte und zwar im Berghotel „Falkneralm“. Hier trifft der Schauspieler als Ich-Erzähler an einem „mörderischen Wochenendende mit Krimilesung“ auf eine Serie seltsamer Todesfälle und beginnt in Tatort-Manier zu ermitteln. KIR-Redakteurin Stephanie Fischer sprach mit Miroslav Nemec vor seiner Lesung beim Münchner Krimifestival.

 

„Die Wahrheit“ heißt der 73. Fall des Münchner Tatort-Teams. Und die Wahrheit ist, dass das Duo nach 25 Jahren Dauerdienst an seine Grenzen kommt. Herr Nemec, gerade ist Ihr erster Roman „Die Toten von der Falkneralm“ erschienen. Der eine oder andere Tatort-Fan hat sicher Bammel, dass Sie als Ivo Batic in Rente gehen.

Miroslav Nemec:
Das ist nicht geplant. Das Autorendasein hat mit dem Tatort an sich nichts zu tun. Es ist eher etwas, das man nebenher versucht. Aber das Projekt hat mich gereizt.

 

Wie kam es zur Idee? Haben Sie Tatort-Drehbücher gelesen und gedacht „Oje, das kann ich besser“?

Miroslav Nemec (lacht): Nein. Ich bin mit dem Verleger vom Knaus Verlag befreundet, wir gehen oft in Montafon bergwandern und da kommt man in Gesprächen auf solche Gedanken. Nur was macht man? Ein Witzebuch, weil ich immer Witze erzähle oder ein Kochbuch, weil ich gerne koche, nach „Miroslav Jugoslav“ eine weitere Biografie oder eben die ganz und gar nicht naheliegende Idee, einen Krimi zu schreiben (zwinkert).

 

Wobei es ja mehr als ein Krimi ist. Sie erzählen aus ihrer persönlichen Perspektive und geben viel über sich preis.

Miroslav Nemec: Irgendeinen Krimi zu schreiben, würde ich mir gar nicht zutrauen. Die gibt’s wie Sand am Meer und auch richtig gut. Es sollte Ausnahmezustand herrschen. Ich fahr auf den Berg und es muss was passieren. Wie bei Agatha Christie. Wir haben oft gebraint. Von der Idee bis zum fertigen Buch hat es zwei Jahre gedauert. Ich musste mich auch viel mit mir selbst auseinandersetzen. Das ist gar nicht so einfach.

 

Die Fans des Ivo Batic lernen jetzt also den Miroslav Nemec kennen.

Miroslav Nemec: Das ist das Lustige. Weil ich oft mit „Herr Kommissar“ angesprochen werde oder die Leute nach Lesungen sagen „Ach, so kennen wir Sie gar nicht“. Klar, woher auch. Im Tatort spiele ich auch selten Klavier und singe.

 

KIR: Können die Zuschauer denn Fiktion und Realität trennen? Oder kommen auch Fans und sagen „Den Fall hätte ich viel schneller gelöst“?

Miroslav Nemec: Ja, aber nur scherzhaft. Nicht wie bei Dr. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik behauptet wurde, dass er nach einer Diagnose gefragt wurde. Die Leute sagen „Bitte nicht verhaften“ oder „Wo ist die Leich?“

 

Sie leben in München. Gibt’s Ecken, die Sie reizen würden zum Drehen?

Miroslav Nemec: Bald drehen wir in der alten Papierfabrik in Dachau. Das sind geile Locations. München hat halt das Problem, dass die ganzen Plätze, die ein bisschen nach noch nicht saniert aussehen, dann saniert werden. Dadurch verschwinden auch Quartiere wie, sagen wir mal früher, die Schlachthofgegend. Ich komm ja aus Zagreb und da hat es noch viele verfallene Hinterhöfe. Berlin auch. In München ist alles Glasbau und chilli und so. Aber mei, ich find immer noch meine Ecken, die ich natürlich nicht verrate (grinst).

 

Ihr Buch liefert ja auch Stoff zum Verfilmen. Sie in der Hauptrolle?


Miroslav Nemec: Das wäre in meinem Interesse. Ich hab mal meine Fühler ausgestreckt. Zumal ein Rezensent geschrieben hat „Nach lesen der Lektüre wünscht sich der Leser, es hätte Batic ermittelt.“



Harte Kritik. Wie geht man damit um?

Miroslav Nemec (scherzt): Ich hab gleich den Ivo angerufen und gesagt „Wie schaut’s aus, wenn wir das verfilmen, würdest Du dann den Miroslav spielen?“ Ja, hat er gesagt. Das macht er. Er möchte aber ein paar Dialoge ändern. Das hab ich verstanden, also: „So mach ma’s“.