Haselnuss – Nuss-Nougat aus der Flasche

Gerade im Winter schätzen Feinschmecker die Aromen von Haselnuss und Kakao? Vielleicht sind deshalb in der kalten Jahreszeit die Haselnuss-Spirituosen mit ihrem Geschmack nach Neapolitaner Schnitten und Nuss-Nougat-Creme so beliebt. Vielleicht ermöglichen sie aber auch nur eine Zeitreise in die Kindheit. Tatsache ist, Haselnuss-Schnaps ist aktuell eine Modespirituose.




Unsere Fachjury

Meike Zimmermann ist die Powerfrau der Dreier-Runde. Als Managerin der Falk´s Bar im Hotel Bayerischer Hof ist Sie die jüngste Barchefin in der Fünf-Sterne-Gastronomie.

Frank Böer zeichnet für die Finest Spirit Events und die Braukunst Live in Deutschland verantwortlich. Er ist Ehrenmitglied der Scotch Malt Whisky Society und trägt den Titel "Keeper of the Quaich".

Hubert Scheungraber betreibt die Passauer Bar "Journey" und ist weit über die Grenzen Bayerns für seine Signature-Cocktails bekannt.

Die Herstellung

verlangt Geduld und Brennkunst. Haselnüsse enthalten weder Zucker noch Stärke und können folglich nicht vergoren werden. Sie werden daher getrocknet, geschält, geröstet, zerhackt und abschließend in Ethylalkohol eingelegt. Nach und nach nimmt der Neutralalkohol die Aromen auf. Dieses Einlege- oder Einweichverfahren nennt man Mazeration. Abschließend wird das Mazerat so lange destilliert, bis das Endprodukt seine volle gustatorische Kraft entfaltet. Das Ergebnis ist eine hochprozentige Geschmacksexplosion aus Haselnuss, Nougat, Schokolade und Karamell. Durch Verwendung von Vanilleschoten oder Gewürzen kann die Aromavielfalt nochmals gesteigert werden. In Deutschland gibt es eine Vielfalt von Brennereien, die inzwischen das Thema Haselnuss aufgegriffen haben. Für diese Verkostung wurden sechs Produkte aus der ersten Liga der Haselnuss-Spirituosen ausgewählt. Sie kommen aus den Häusern Dirker, Drexler, Gansloser, Piekfeine Brände und Wecklein und bilden oft nur eine Auswahl der dortigen Produktpalette ab. Die Edelbrennerei Dirker hat neben ihrer „Standard“-Haselnuss (ein Traum und daher eine unbedingte Verkostungsempfehlung!) auch noch eine sehr weihnachtliche Gewürznuss mit Mandel, Zimt- und Orangennoten im Programm. Die Alte Hausbrennerei Alfred Wecklein überzeugt neben der hier vorgestellten Fassabfüllung zudem mit ihrer altbewährten Haselnuss-Variante. Im Tasting finden sich neben ausgesuchten Klassikern auch Experimente mit Schokolade, Vanille und Gewürzen sowie Fassabfüllungen. Viel Spaß beim Ausflug in die Welt der Haselnuss. Es gibt wohl keine andere Spirituose, bei der die individuellen Vorlieben so unterschiedlich sind.

Das Berwertungsschema

Unsere Bar-Profis bewerten nach Nase (N), Geschmack (G), Abgang (A) und (Gesamt)Eindruck (E). Pro Rubrik gibt es maximal 25 Punkte. Insgesamt (I) kann ein Whisky daher höchstens 100 Punkte erzielen.

Die getesteten Produkte

Drexler Haselnuss-Schnaps (40%) - 91 Punkte

Frank:  Sehr angenehm nussig, aber nicht zu gefällig, gepaart mit einer Frische, die definitiv Lust auf mehr macht. Die Nuss-Obernote ist schön in den Alkohol eingebunden. Insgesamt ein ausgeglichener Geschmackseindruck: lang, gleichmäßig und ansprechend. Feines Produkt, das nicht der Gefahr unterliegt, zu süß, zu eindimensional oder zu schmeichelnd zu sein. N 23, G 22, A 23, E 23: I 91

Hubert:  Eine sehr angenehme Nase. Im Geschmack zunächst frisch, fruchtig und einem Hauch an Schokolade und Gewürzen. Dann kommen Karamell und die gebrannten Nüsse. Insgesamt lang anhaltend. N 25, G 23, A 22, E 23:
I 93

Meike:  Die Nase ist extrem nussig mit leichten Nougataromen. Hier möchte man am liebsten sofort reinbeißen. Mit seinen intensiven Haselnussaromen gepaart mit dezenter Vanille und Bitterschokolade überzeugt der Haselnuss-Schnaps von Drexler auch im Geschmack. Leider ist der Abgang eher wenig spektakulär. Sehr leichte Röstaromen lassen den Haselnussgeist dezent abklingen. Kein Vergleich zur Nase und zum Geschmack. Insgesamt sehr angenehm zu trinken. Ein schöner Digestiv, geeignet auch insbesondere für Einsteiger, den man besonders jetzt in der kalten Jahreszeit genießen sollte. N 23, G 23, A 20, E 22: I 88

Piekfeine Brände: Haselnuss (40%) - 88 Punkte

Meike:  Starke Nuss-Nougat-Aromen. Zudem ein dezenter Duft aus Schokolade gepaart mit Bourbon-Vanille. Nach der sehr süßen und eher likörigen Nase löst der Geschmack das Duftversprechen nicht vollends ein. Im Abgang findet sich eher ein lang anhaltender Alkoholgeschmack, der etwas intensiver als die Haselnuss erscheint. Zudem kommt die Schokolade extrem zum Vorschein und dominiert ebenfalls die Haselnuss. Die aufgrund der Nase erwartete Geschmacksexplosion tritt so leider nicht ein. Insgesamt dennoch sehr aromatisch und angenehm zu trinken. N 23, G 21, A 20, E 21: I 85

Hubert:  Die Nase verspricht ein Gaumenbad in Nutella und Schokolade. Doch leider wird das olfaktorische Versprechen nicht zur Gänze eingelöst. Der Geschmack ist etwas „sprittig“ und wenig komplex. Dafür ist der Abgang langanhaltend. Nach und nach übernimmt der Kakao die Kontrolle. N 23, G 20, A 21, E 21: I 85

Frank:  Komplex-nussige Nase, wie man sie im besten Fall erwarten darf. Im Geschmack eher trocken. Die Nuss spielt auf interessante Weise mit dem Alkoholgehalt. Im Abgang lang und eher trocken. Insgesamt sind die komplexen Nuss-Aromen sehr schön in den Alkohol-Körper eingebunden. Ein toller Brand für Leute, die ein komplexes, nicht zu gefälliges und gerade dadurch Spitzenprodukt in Sachen Haselnuss suchen. N 24, G 23, A 23, E 23: I 93

Edelbrennerei Dirker: Bluthaselnuss - Lambertsnuss (42,5%) 89 Punkte

Hubert:  Ein Mix aus grünen und gerösteten Nüssen. Später gesellt sich Schokolade dazu. Eher mild und angenehm. Das bestätigt sich im Geschmack. Zudem leicht süßlich wirkende, fruchtige Anklänge. Wärmender, langanhaltender Abgang: erst Nuss, dann Kakao. N 22, G 23, A 23, E 22: I 90

Frank:  Schön nussig und eher trocken. Angenehme Anklänge von frisch gemähtem Bergheu. Entwickelt bereits nach einigen Momenten einen voluminösen, komplexen und spannenden Körper. Bleibt lang am Gaumen hängen. Eine anspruchsvolle Spirituose, die in keinem Bereich Schwäche zeigt. N 23, G 23, A 23, E 23: I 92

Meike:  In der ersten Nase kommt die Vanille extrem stark zur Geltung. Kurz erscheint die Haselnuss, die aber schnell von einer Geruchsreise durch Omas Kräutergarten dominiert wird. Erst nach zwei bis drei Minuten verfliegt dieser Duft wieder und die Haselnuss kann sich entfalten. Jetzt wird die Bluthaselnuss sehr weich. Im Geschmack stehen gleichzeitig der Alkohol und die Röstaromen im Vordergrund. Die Entscheidung „angenehm“ oder „unangenehm“ fällt schwer. Um mehr Nuss zu schmecken, würden der Bluthaselnuss möglicherweise ein bis zwei Prozent weniger Alkohol gut tun. Beim zweiten Schluck kommt eine leichte Süße durch. Im warmen und langanhaltenden Abgang kommt dann wieder die Vanille zum Vorschein und verdrängt ein Stück weit die Haselnuss. Die Bluthaselnuss erfordert Geduld, da sie im Glas ihren Charakter stetig verändert und dort viel Zeit zur vollen Entfaltung benötigt. N 22, G 20, A 21, E 21:I 84

Gansloser: Haselnussgeist (40%) - 93 Punkte

Frank:  Klassiche, volle, „brettlbreite“ Nuss. Hält aber einerseits nicht ganz, was die Nase verspricht. Besticht andererseits mit schöner Nuss-, Kaffee- und Schoko-Vielfalt. Im Abgang lang und angenehm ausgewogen. Ein Klassiker von Gansloser, mit dem man – gerade auch als Geschenk – definitiv nichts falsch machen kann. N 24, G 23, A 22, E 22: I 91

Meike:  Neben dem stark dominierenden Haselnuss-Aroma kommen in der Nase auch leichte Kaffee-, Mokka- und Kakao-Noten zum Vorschein, gepaart mit einer sehr dezenten Vanillenote. Im Geschmack leicht trocken. Ein schönes Mundgefühl aus Haselnuss und Schokolade. Alkohol und Haselnuss sind wunderbar ausbalanciert. Man freut sich auf weitere Schlucke. Der Abgang ist langanhaltend und intensiv. Am Gaumen bleiben Haselnuss und Nougat zurück. Ein schöner Tropfen, der stimmig und perfekt ausbalanciert ist. N 24, G 23, A 24, E 24: I 95

Hubert:  Angenehme Nase. Geprägt durch Nuss und Nougat. Der Geschmack erinnert anfangs an grüne Nüsse, wird aber dann immer komplexer. Lang anhaltender Abgang mit einem aufregenden Wechselspiel aus leichter alkoholischer Schärfe und Schoko-Nuss-Aromen. N 24, G 22, A 23, E 23: I 92

Edelbrennerei Dirker: Destillat von Haselnüssen (37,9%) - 89 Punkte

Meike:  Nutella mit Bourbon: eben etwas für Erwachsene. Dezente Haselnuss gepaart mit leichter Bourbon-Note. Auch geschmacklich überzeugen die Haselnuss-Aromen, die sich mit der leichten Schärfe des Bourbons harmonisch verbinden. Im Abgang lang anhaltend und warm. Insgesamt eine tolle Idee. Dennoch kann diese Variante mit der normalen Dirker Haselnuss nicht mithalten. N 23, G 22, A 22, E 22: I 89

Hubert:  Nase schwer fassbar, da sie sich stark verändert. Anfangs eher nicht klar definierbar, nach längerer Zeit interessant. Im Geschmack frisch, fruchtig und spitz. Im Abgang lang anhaltend mit Noten von Bitterschokolade. N 22, G 21, A 21, E 21: I 85

Frank:  Natürlich ausgeprägte Nuss. Das Fass verleiht der Nase jedoch eine interessante Eigen-Note. Sehr spannender Kandidat für eine Blindverkostung. Zu Beginn dominieren angenehme Holznoten. Die Nuss setzt sich erst nach hinten raus durch. Spannend! Im Abgang lang, gleichmäßig und anhaltend. Sehr interessantes Produkt besonders für Leute, die Haselnuss-Spirituosen schon kennen und sich auf diesem Gebiet sensorisch weiter entwickeln wollen. N 22, G 23, A 23, E 24: I 92

Alte Hausbrennerei Alfred Wecklein: Fränkische Haselnuss Spirituose (40%) - 92 Punkte

Frank:  Fantastisch! Volle Nuss, Marzipan satt, Weihnachtsgewürze, dunkle Kirsche. Im Geschmack wesentlich leichter, subtiler und filigraner. Die Aromen der Nase werden dabei absolut vielschichtig und lang anhaltend fortgeführt. Im Abgang filigran, dennoch mit definitiver Präsenz und lange im Mund bleibend. Zumindest bis zum 24. Dezember mein Favorit. Danach evtl. zu weihnachtlich. Hier wird exemplarisch gezeigt, dass die Fass-Lagerung der Welt der Haselnuss-Spirituosen eine neue, superspannende Dimension hinzufügt.

N 25, G 23, A 23, E 24: I 95

Hubert:  Interessantes Zusammenspiel von fruchtiger Kirschnote mit Schokolade, Marzipan und Nuss. Erinnert an Dominosteine. Im Geschmack fruchtig, mit einer leichten Schärfe, die in eine immer stärker werdende Kakao-Note übergeht. Im Mund bleiben angenehme Bitterschokolade-Aromen, die sehr lang verbleiben. N 23, G 22, A 23, E 23: I 91

Meike:  Die Nase steht hier im Zeichen der Haselnuss, die von Schokolade, Bourbon-Vanille und Spekulatius untermalt ist. Neben der Haselnuss wird der Geschmack durch Marzipan und Spekulatiuslebkuchen geprägt. Marzipansüße und leichte Haselnuss prägen den langanhaltenden und würzigen Abgang. Perfekt für die kalte Jahreszeit, wenn man den Abend auf einer Hütte vor dem Kamin ausklingen lassen möchte. N 23, G 22, A 22, E 23: I 90

Jüngste Entdeckungen

Kavalan Weihnachtsset

Rechtzeitig zu Weihnachten präsentiert Kavalan ein edles Karaffen-Whisky-Set. Die beiden Einzelfassabfüllungen Amontillado (55,6%) und Manzanilla (57,8%) bilden als Ensemble eine Art Taijitu, bestehend aus einem nussfarbigen Yin und einem bernsteinfarbigen Yang.

Raritas Juniper

Der Raritas Juniper (46% Vol.) ist die giniale Vermählung von Bavarka, Duke und Granit aus den Häusern Lantenhammer, The Duke und Penninger. Diese Cuvée wurde auf eine dreimonatige Hochzeitsreise ins Sauternes-Fass geschickt und vereint daher eine ausgeprägte Wacholdernote mit einer dezenten Süße.

Gansloser Black Gin

Der Gansloser Black Gin Edition 1905 (45%) bietet unter seinem Weihnachtskleid neben seinem ehrlichen Wacholdercharakter eine harmonische Mischung aus Gewürz- und Orangennoten. Eine ginsationelle Gaumenfreude (nicht nur) für die Adventszeit.

„Sibbzena“ Bio-Kräuterlikör

Der "Sibbzena" verschmilzt Honig, Chili, Nelkenwurzel, Kubebenpfeffer, Moschuskraut und weitere Ingredienzien zu einem süß-scharfen Kräuterlikör, der angeblich sogar böse Geister abzuhalten vermag.

Übermäßiger Alkoholkonsum ist gesundheitsschädlich. Bitte genießen Sie alkoholische Getränke verantwortungsvoll.