KIR-Walk mit Stadtschreiber W.A. Riegerhof

Man bezeichnet ihn als Sigi Sommers Enkel. In seinen Romanen „Münchner Feigheit“ oder zuletzt „Bauchschuss Schwabing“ nimmt W.A. Riegerhof (52) seit 30 Jahren seine Leser mit unter die Roten Teppiche der Szene, bringt seine Beobachtungen pointiert, zynisch und liebevoll auf den Punkt.




„Wenn dir die Stadt auf den Kopf fällt, musst du sie mit den Füßen durchwandern“ – so die Devise des charmanten Asphaltliteraten. Grund genug, ihn zu seinen persönlichen Lieblingsplätzen auf unserem „KIR-WALK“ zu begleiten.

Zigarren Zechbauer in der Perusastraße

„Der begehbare Humidor beim Zechbauer besitzt für einen Zigarrenliebhaber etwas Feudales, wie man es sonst nur vom Betreten eines Bankschließfaches in der Schweiz her kennt. Diese Vorzüge im alteingessenen Traditionshaus nehme ich öfter mal mit meinem Bekannten Dave Kaufmann wahr. Wir genießen die Montecristo und Romeo & Julieta wie einen Sommertag ... Außerdem findet man im Untergeschoss eine gute und edle Auswahl an Mayser-Hüten, denen ich als passionierter Hutträger nicht widerstehen kann.“

Luigi Tambosi am Hofgarten

„Das Kultcafé Tambosi ist der perfekte Platz zum Flirten. Hier gilt das Motto: Sehen und gesehen werden! Und jeder Monaco Franze ist in seinem Element. Denn a bisserl was geht immer … “

Der Viktualienmarkt

„Kein Platz, kein Geruch, keine Geräuschkulisse drückt München mehr aus als der Viktualienmarkt! Am Wurststandl von Elisabeth und Manuela Teltschik treffe ich meinen langjährigen Freund,  Dokumentarfilmer und PR-Ikone Franz-Xaver Gernstl, anregende Gespräche über das bewegte Nachtleben der 80iger Jahre inklusive. Dann geht’s auf einen Sprung in die  KaffeeRösterei, der Flirtadresse am Viktualienmarkt schlechthin. Nino, einst legendärer Doorman im kultigen Nachtcafé, serviert charmant den besten Espresso Doppio der Stadt, mit jenem italienischen 'ciao Bella, ich habe gar keine Auto', und man fühlt sich südlich und glücklich“.

„Unser Rückweg führt uns an der Confiserie Ertl vorbei; der Mohnkuchen ist stets eine Offenbarung. Ich stamme ja ursprünglich aus der Steiermark, und als Österreicher ist man Süßspeisen-verwöhnt ...“

Didis Obststandl an der Uni

„Didi ist eine Institution, und seinen Stand gibt es seit 31 Jahren, genauso lange, wie ich in München bin. Seit dieser Zeit genießen wir jeden Sommer zusammen das Dolce far niente im Prinzregentenbad – dem Prinze! – und holen uns die Bräune am Nuttengrill, wie es Sigi Sommer einst so herrlich formuliert hat. Und wenn ich mal grüblerisch bin, dann halte ich mich an Didis Credo: S'Lebn is a Freid! Ja, das Leben ist eine Freude.“

Der Englische Garten

„Die grüne Lunge der Stadt und der größte Freizeitpark Europas. Unser Ziel: der Monopteros, ein architektonisches Highlight im griechischen Stil von Leo von Klenze. Die Griechen sagen: cigar, cigar, das bedeutet: keine Eile, was nicht heute geschieht, geschieht morgen! Genau diese Zeitlosigkeit drückt dieser Ort aus, die dem Alltagsstress dieser Großstadt die Stirn bietet. Auszeit bedeuten aber auch die Liegestühle Münchner Sonnendiebe entlang des Eisbachs, die es bereits in den Sechziger Jahren gab. Unternehmer Pitt Grunitz hat die Idee wieder aufgegriffen und gegen die hohen Auflagen der Verwaltung durchgekämpft.“

Celebrità am Wiener Platz

„Man kann sich nicht entkommen: vor 30 Jahren aus Wien nach München und am Wiener Platz gelandet! Damals, als Weinhäusl, führte ich mit meiner Freundin das heutige Celebrità. Nach wie vor ist es für mich ein Treffpunkt mit Freunden. Starfotograf, Filmemacher und Schauspieler Roger Fritz ist ein lebender Fundus an Münchner Geschichten, die gerade ich als Autor regelrecht aufsauge und in meinen Büchern verarbeite. Im Lokal hängen übrigens Fotos von Marcello Mastroianni, den Roger Fritz als Regieassistent von Luchino Visconti persönlich kannte.“

Distillers Bar, (Franz Münchinger Shop), Occamstraße

„Hier gibt es alles rund um den Monaco Franze, was das Herz begehrt! Dafür hat sich Inhaber Carlos Vogel die Rechte von Regisseur Helmut Dietl und der Witwe von Helmut Fischer gesichert. Wenn es um Münchner Lebensweisen geht, dürfen natürlich auch meine Bücher nicht fehlen; auch sie kann man im Franz Münchinger Shop kaufen. Darüber hinaus ist es die einzige Destillerie und Bar in ganz Deutschland.“

Bachmaier Hofbräu auf der Leopoldstraße

„Guad Essen, G'scheid feiern, hat sich Szene-Wirt Hugo Bachmaier auf die Fahne geschrieben. Sein Wirtshaus ist groß geworden, weil er selbst eine Persönlichkeit ist. Ich hoffe, dass er andere anregen wird. Und dass Schwabing aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und Kellerbars mit Leben gefüllt, Straßencafés mit Musik belebt werden. Diese legendäre Meile braucht wieder jenen südlichen Herzschlag, der sie in den Siebziger Jahren so berühmt machte.“

Über W.A. Riegerhof:

München:

„Das Chichi, Bar & Restaurant, besitzt die Leichtigkeit und Toleranz der einstigen Schwabinger Lebenslust. Auch einzigartig: die Isarauen, darum beneiden uns wohl alle Großstädte. Kaum einen Wurf von Gucci und Prada entfernt, und schon haben Steine eine gänzlich andere Bedeutung! Und natürlich der Bogenhausener Friedhof; dort sind die Gräber so begehrt wie die Tische am Oktoberfest.“ 

Sigi Sommer (1914 – 1996): „Ein Münchner Stadtschreiber mit Weltniveau, ich durfte seine unnachahmliche Art im Augustiner Biergarten am Nebentisch auch einmal erleben. Er konnte dem Volk bei Brezn und Bier die Welt erklären und den Politikern das einfach Volk.“

Wir danken allen Beteiligten! 

 

Fotos: Mila Pairan

Protokoll: Daniela Schwan