Promi-Talk mit Michael Holm

Vom Herrn Niemand zum Hitparadenstürmer Interview© Daniela Schwan Fotos© Tensai & Michael Holm privat (die alten Bilder)




Donnerstagabend im 80iger Jahre Lokal Kirr Royal auf der Rosenheimer Straße: KIR München und Szene-Wirt Jürgen Christ treffen Schlager-Ikone Michael Holm, der seit Ende der 60iger Jahre aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken ist. Und sind geflasht: Der 72-jährige entpuppt sich als energiegeladener, witzig-spriztiger Zeitgenosse ohne Starallüren. Im Interview nimmt er kein Blatt vor den Mund, gibt Einblicke in die Stationen seiner Karriere und imitiert perfekt so manchen seiner Weggefährten. Darüber hinaus verrät Michael Holm, warum er niemals ins Dschungelcamp ziehen würde und was es mit dem "Promi-Bonus" auf sich hat ...

Jürgen Crist: Hallo Michael, ich bin ja einer Deiner größten Fans! Wenn ich Michael Holm höre, denke ich als erstes an "Mendocino" oder "Tränen lügen nicht."

Michael Holm: Alle denken daran, und ich habe nichts dagegen. Ist doch toll, das waren meine großen Erfolge. Wir Sänger leben davon, dass die Leute uns kennen und schätzen. 

 "Mendocicno" war der Erfolgshit. 

Michael Holm: Ja, und der erste. Vorher war ich der Herr Niemand, der Mann ohne Gesicht. Und auf einmal, wenn ich in ein Lokal reinkam - damals gab's noch die Musikboxen - hörte ich plötzlich fünfmal "Mendocino", dann Roy Black, die Beatles und Elvis. Das Schöne war, mich kannte ja keiner, deshalb konnte ich das alles abchecken. Als dann die erste ZDF-Hitparade kam, hatte ich schon über eine halbe Million Platten verkauft. Damals, 1969, hat mir die Hitparade sehr geholfen. Aber auch ohne Hitparade war es schon ein Superhit

Jürgen Christ: Mei, die Hitparade, das war ja Kult damals, ein Highlight für die ganze Familie. 

Michael Holm: Ja, damals - heute gibt's was anderes. Ich hab' selber Kinder, die sehen gar nicht mehr fern, die sind lieber im Internet. Meine Tochter ist 20, mein Sohn 21, beide studieren, und die wählen ihr eigenes Programm aus, wie viele junge Leute.

 

So manche Ihrer Kollegen haben keine Berührungsängste mit dem Fernsehen, treten sogar im "Dschungelcamp" auf.

Michael Holm: Mit hat man auch schon sehr viel Geld angeboten - aber soviel kann man mir nicht zahlen, dass ich mich auf ein solches Niveau begeben werde. Dennoch finde ich Sendung sehr lustig. Und natürlich schaue ich mir bei jeder Staffel auch die Kollegen an, mit manchen bin ich eng befreundet.

 

Sie sind noch schwer aktiv, was sind Ihre aktuellen Projekte?

Michael Holm: Durch zwei gute Freunde aus dem Ruhrgebiet bin ich auf einen polnischen Titel aufmerksam geworden. Beide kommen aus der Musikszene, einer hat eine polnische Frau, die immer ein bestimmtes Lied gesungen hat. Wenn das gespielt wird, stürzt alles auf die Tanzfläche, der größte Hit in Polen seit Jahren. Wir haben jetzt die deutschen Rechte erworben, ich habe am Text mitgeschrieben und sing selber am Ende. "Ale Ale Aleksandra", ein Partyhit, Schlager-Pop mit einem kleinen Ballermann-Einfluss. Das Duo heißt "Huddel & Brass" und hat auch ein gutes Video dazu gemacht. Läuft im Internet, leider noch ein bisschen zögernd.

Jürgen Christ: Das würde ich gern hier spielen.

Michael Holm: Okay, ich schick' Dir was rüber. Da wirst du sehen, in einer Woche laufen die Leute Dir den Laden ein. Nur wegen der Nummer. Das ist ein heißes Teil.

Jürgen Christ: Ich singe ja selbst auch ab und zu, es gibt sogar einen KIRR Royal Song ...

Michael Holm: Also, da kann ich gern ein paar Playback-Sachen rüberschicken, und Du singst dann hier live dazu. Um auf die Frage von vorhin zurückzukommen, ich trete nicht nur auf, sondern komponiere und produziere auch viel. ARD und ZDF fragen auch öfter mal an.

... und wo treten Sie überall auf? 

Michael Holm: Zuletzt in Essen mit dem Rock Orchester "Ruhrgebeat". Eine tolle Bühnenshow, unter anderem mit den Brotherhood of Man und ihrem Hit "Save Your Kisses for Me". Das Publikum ist immer zwischen 17 und 40 Jahre alt. Zum Schluss kam dann "Mendocino", und alle haben mitgesungen. Auch bei "Rhein in Flammen" in Koblenz waren wir mit Band und hatten die meisten Zuschauer. Auch des öfteren schon auf dem "Rheinland-Pfalz-Tag" - immer mit Band. So wie auch in diesem Jahr im Juni. 

Jürgen Christ: Sozusagen immer noch die "Rampensau"...? 

Michael Holm (lacht): Ja. Nach jedem Auftritt bin ich ein bis anderthalb Kilo leichter. 

 

Geben Sie auch Solotourneen?

Michael Holm: Nein, nicht mehr. Nur noch im Gesamtpaket. In diesem Jahr waren wir mit "SCHLAGERLEGENDEN" auf Tournée und im nächsten April geht es weiter für drei Wochen mit dem Orchester Otti Bauer. Dabei sind: Peggy March, Graham Bonney, Lena Valaitis, Ireen Sheer und meine Wenigkeit.

 

Bei so vielen Auftritten, haben Sie da eigentlich noch Lampenfieber?

Michael Holm: Natürlich ist man nach über 50 Jahren als Musiker nicht mehr wie ein Anfänger und zittert vor dem Auftritt, aber eine halbe Stunde vorher baut sich eine Spannung auf. Und das ist wichtig, Du kannst nicht das Optimale bringen, wenn Du entspannt bist, man braucht das Adrenalin. Gut, vorher denk' ich auch mal, warum hat mich meine Mutter nicht einen anständigen Beruf lernen lassen? Aber es macht einfach sehr, sehr viel Spaß. Es gibt eine einfache Formel, wenn Du die Zuschauer nicht frisst, fressen sie Dich.

Jürgen Christ: Gab's auch mal Pannen? Was war Deine größte?

Michael Holm: Meine witzigste Panne passierte in den 70er Jahren, mitten in der großen Hitparaden-Tournee, die ein Riesenerfolg war. Die Hallen waren immer ausverkauft. Ich bin ja ein Bewegungskünstler, hatte immer die Attitüde, mich vor den Auftritten locker zu machen, hab' mich dabei auch schon mal verzerrt. Jedenfalls machte ich wieder meine hektischen Bewegungen auf der Bühne, und Dieter Thomas Heck (ahmt ihn nach) raunte mir nur zu: "Deine Hose ist geplatzt". Ich verschwand dann schnell hinter der Bühne, die Kostümbildner halfen mit, und Dieter überbrückte dann die Zeit mit seinen Sprüchen. Einmal habe ich einen Karatesprung auf der Bühne gemacht, da ist mir hinten die Hose gerissen. Aber ich hatte Gott sei Dank eine Jacke an, da sah man nichts.

Jürgen Christ: Gab's auch Momente, wo Du nicht auftreten konntest, weil es Dir nicht gut ging oder Du etwas Trauriges erlebt hast?

Michael Holm: Ich habe mich in all der Zeit nicht ein einziges Mal gedrückt, Du singst ja nicht nur für Dich, sondern für die Veranstalter, fürs Publikum. Aber ich habe mal einen Auftritt verschlampt in den 70er Jahren. Ich war bei Ralph Siegel in seiner Villa am Lago Maggiore, und wir haben dort geschrieben. Zufällig schaute ich in meinen Kalender und sah, dass ich an dem Tag eine Veranstaltung in Holland hatte, Open Air. Das war peinlich, ich hatte es vollkommen vergessen. Es gab eine Konventionalstrafe, und heute buchen mich die Holländer wieder.

 

Gab es viele internationale Auftritte?

Michael Holm: In Japan, Südkorea und Amerika zusammen mit meinem Musikprojekt "Cusco". Wir haben auch Filmmusiken geschrieben, u.a. auch die Musik zur TV-Serie "Sielmann 2000" komponiert. Wir gingen musikalisch in die New-Age-Richtung, unser Titel "Apurimac" wurde weltweit sechs Millionen Mal verkauft. Heute verkauft man keine Millionen-Platten mehr. Mp3 hat die Branche sehr verändert. Heute gibt es andere Mechanismen, ein anderes Denken. Dafür hat man früher nicht so die Zuhörer-Massen bekommen wie heute durch die Verbreitung im Internet.

 

Jürgen Christ: Besitzt Du noch alle Original-LPs von damals?

Michael Holm: Einige, aber ich höre sie mir nicht mehr an. Nur wenn sie neu sind, dann -zig Mal, und dann nie wieder. Ich habe weit über 1.000 Nummern geschrieben, "Fiesta Mexicana" ist auch von mir, ich habe viel für Rex Gildo geschrieben, darunter auch "Borrequito". Ebenso für Peter Maffay und Peter Alexander, z.B. "Mandolinen um Mitternacht". Meine Tochter Anna-Franziska schwärmte früher für Justin Biber, und Max liebte als Kind Cusco - er ist dabei immer gut eingeschlafen.

 

Wollen Ihre Kinder auch in der Musikbranche Fuß fassen?

Michael Holm: Neiün. Max hat zwar Talent, aber keinen Bock. Er hat gern gesungen und eine schöne Stimme. Aber ich habe mal den Fehler gemacht, ihn aufzunehmen, und als er seine Stimme gehört hat, war er total geschockt. Das ist ja das Problem, man selber hört seine eigene Stimme ganz anders. Max hat ein unheimlich gutes Rhythmusgefühl und erarbeitet sich Techno-Geschichten. Er hat 'n guten Flow, wie man so sagt. Jürgen Christ: Wirst Du auf der Straße erkannt?

Michael Holm: Ja, häufig. Ob in Hamburg, Wien oder Weilheim. Ich radel viel, und einmal fuhr ich an einem Bauernhof vorbei, und der Bauer meinte, "Mendocino, gell?" Die Fans sind sehr nett. Prominentsein hat sicherlich viele Nachteile, aber auch viele Vorteile. Man bekommt tolle Eventeinladungen, schon mal schneller einen Zahnarzttermin oder eine wichtige Autoreparatur klappt kurzfristig über Nacht - für ein Album mit persönlicher Widmung.

Comeback der „Wilden Achtziger“ im Kirr Royal

 

Jürgen Christ erfüllte sich mit dem "kirren" Restaurant mit integrierter Bar auf der Rosenheimer 30 Straße einen Kindheitstraum: Das Kirr Royal. Der smarte Wirt und ehemalige Event-Manager (41) setzt auf eine Zeitreise back to the Eighties. Mit Gute-Laune-Musik, Discokugel, flippigen Feiern, wie u.a. jeden ersten Donnerstag im Monat die 80iger Jahre Party, Live-Auftritten namhafter Sänger, wie Peter Kent, Ex-voXXclub-Star Julian David, Sarah Laux, Ritchy the Voice und den deutschen Antworten auf Nana Mouskouri und Mireille Mathieu. Sehenswert: Jürgen Christs eigener Showact, das Sabrieren, also das Öffnen der Champagnerflaschen mit einem speziellen Säbel. Die Tradition des "Sabrage"-Rituals geht auf Napoleon Bonaparte nach einer gewonnenen Schlacht im Jahre 1812 zurück. Und das Beste: Kirr-Royal-Gäste dürfen sich gerne auch im Champagner-Sabrieren probieren ...

www.kirr-royal.de

Foto: Klaus Weißenberg